Naturgewalt Wind


Der Passatwind sorgte mit seinen Regenwolken dafür, dass La Palma die grünste Insel der Kanaren wurde. Insbesondere für Wanderer ist die Naturgewalt Wind auf der Insel allgegenwärtig.

La Palma ist die Insel der Superlative. Nirgendwo sonst kann man auf so kleinem Raum eine so große Anzahl von der schmale Pfad auf dem Vulkan San AntonioNaturphänomenen beobachten und erleben. Der Wind auf der grünen Insel war für uns mehrmals ein zugleich fantastisches und bedrohliches Erlebnis.

Wind ist für uns nicht neu. Jedes Kind weiß, dass man sich festhalten muss, wenn es draussen ordentlich stürmt. Auch über Deutschland fegen im Winter regelmässig steife Briesen hinweg. La Palma ist anders.

Wir hatten gelesen, dass die Begehung des Gipfelgrades eines Vulkans bei Sturm unter Umständen gefährlich sein kann. Soweit die Literatur. Wir haben nirgendwo eine Information darüber gefunden, dass diese Maßnahme auch bei Windstille zu Überraschungen führen kann.



Der Vulkan San Antonio in Fuecaliente

Es war ein später Nachmittag an einem sonnigen Februartag auf La Palma. Bei der Betrachtung des Fotos kann man das herrliche Wetter noch erahnen. Wir wollten den Tag mit einer kurzen Besichtigung des Vulkans San Antonio im Süden der Insel ausklingen lassen.

Der San Antonio bot sich an, denn zu seiner Besichtigung ist keine lange Wanderung notwendig. Der von Menschenhand geschaffene Parkplatz mit Restaurant und Informationsbereich liegt direkt neben dem Vulkan. Leider sind alle Informationstafeln über Vulkanismus nur in spanischer Sprache.

Nachdem wir den Schock über die extrem hohen Parkgebühren verdaut hatten, starteten wir die Begehung des Kraterrandes. Dies ist kein Rundwanderweg. Begehbar ist nur der zum Meer hin gelegene Halbkreis. Nach ungefähr 15 Minuten Fußmarsch endet der Spazierweg auf der Seite des Kraters, die dem Parkplatz gegenüber liegt.

Der Weg im Durchschnitt zwei bis drei Meter breit und frei von Steigungen. Auf der einen Seite des Pfades blickt man in das Innere des Kraters San Antonio. Auf der anderen Seite geht es über 200 Meter steil Berg ab in Richtung des Vulkans Teneguia, der im Jahr 1971 zuletzt ausbrach.

Böen auf dem unbeschwerten Spazierweg

Wir hätten stutzig werden sollen, als uns bereits am Anfang der Strecke entsetzt dreinschauende Eltern mit Kindern der Vulkan Teneguia vom Kraterrand des San Antonio aus gesehenauf dem Arm entgegenkamen. Wir wussten den Gesichtsausdruck zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht zu deuten. Vielleicht hatten die Kinder auch etwas angestellt und gab Streit?

Jetzt waren wir die einzigen Besucher auf dem Kraterrand. Wir bemerkten einen leichten Wind. Der Himmel war immer noch blau und fast wolkenlos, als wir von einer gewaltigen Böe erfaßt wurden. Wir erhielten einen unsichtbaren Schubs, der so gewaltig war, dass er uns um ein Haar in den Krater geschleudert hätte. Dann wieder absolute Windstille.

Sehr verwundert, aber unbeeindruckt, setzten wir unseren Marsch fort. Wir erreichten nach fünf weiteren Minuten das Ende des Pfades und hatten von dort aus einen fantastischen Blick auf den tiefer liegenden Vulkan Teneguia, wie das Foto zeigt.

Zurück auf allen Vieren

Nun geschah, was niemand von uns jemals erahnt hätte: Ein gewaltiger, böiger Wind setzte ein. Und diesmal hörte er nicht mehr auf. Wir warfen uns sofort hinter die spärlichen Überreste des eingebrochenen Kraterrandes. Die Endstation des kleinen Wanderweges bot zum Glück halbwegs Schutz vor den überraschenden Naturgewalten.

Was jetzt? Es wurde dunkel, wir hatten keine Taschenlampe und der eigentlich nicht weit entfernte Parkplatz war durch den extremen Sturm nun unerreichbar geworden. Da wir nicht abschätzen konnten, wie lang der Zustand anhalten würde, machten wir uns mehr oder weniger auf allen Vieren auf den Rückmarsch.

Hierbei nutzen wir die teils nur Sekunden lang dauernden Pausen zwischen den gewaltigen Böen, um uns von einem schützenden Felsbrocken zum nächsten zu retten. Auf dem schmalen Pfad zwischen zwei tiefen Abgründen, ein zweifelhaftes Vergnügen. Den unsichtbaren "Feind" stets im Rücken.

Geschafft

Ein Teil des Wanderweges bietet aufgrund seiner Beschaffenheit keinerlei Unterschlupf oder Schutz gegen den der mächtige Vulkankegel des San Antonio vom Vulkan Teneguia aus gesehenWind. Als wir diese Stelle erreichten, ebbten die Böen leicht ab. So konnten wir uns teils laufend, teils kriechend in Sicherheit bringen. Geschockt und entkräftet erreichten wir den Parkplatz.

Es ist fraglich, warum zu Beginn des Pfades am San Antonio kein Schild darauf hinweist, welche Gefahr hier zuweilen schlummert. Wenn der Sturm uns in die Knie zwingen konnte, dann kann er Kinder in pluderiger Kleidung allemal hinwegblasen.

Auf die Rückfrage bei unserem Wanderführer bekamen wir die Antwort, dass dieser Wind nur gefährlich erscheine. In Wirklichkeit bestünde jedoch keine Gefahr hinfort getragen zu werden. Wir hatten jedoch einen realistischen Eindruck davon, dass es ganz anders war.

unsere Empfehlung

Unterschätzen Sie den Wind auf Gipfelgraden und Kraterrändern nicht! Nach unserer Erfahrung kann starker Wind auf La Palma überall auftreten. Die extremsten Böen haben wir jedoch im Süden von La Palma erlebt. Und hier insbesondere auf den Vulkanen San Antonio und Teneguia. Als wir den Teneguia ein paar Tage später bestiegen, hatten wir das Erlebnis auf dem San Antonio schon fast vergessen. Aber dann: Dieses Erlebnis finden Sie hier.

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Insel La Palma